Schülerprojekte in China und Kenia
 
In unserer einen Welt:
global denken - fremde Kulturen erfahren - 
verantwortlich handeln - nachhaltig wirken
 
Seit dem Jahre 2009 führt das Gymnasium St. Christophorus mit der gemeinnützigen Stiftung Welt:Klasse Schülerprojekte in China und – seit 2012 – in Kenia durch. Das Welt:Klasse-Konzept war mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. in dem Wettbewerb „Land der Ideen“ und in der „UN-Dekade“, beide unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Nach mehreren Gesprächen wurde unsere Schule „aufgrund seiner Innovationskraft und seines Engagements als Welt:Klasse-Schule ausgewählt.“ Jede Schülergruppe besteht in der Regel aus zwei Schülerinnen und zwei Schülern, die sich im Frühjahr (über die Osterferien) in China und Kenia aufhalten.
 
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Das Projekt in China führt in ein Land, das politisch und wirtschaftlich zu den führenden Staaten der Gegenwart gehört, gleichzeitig eine lange geistige und religiöse Tradition hat. China steht somit auch repräsentativ für das Kennenlernen fremder Kulturen und regt intensiv zur Auseinandersetzung mit der eigenen europäischen Kultur und an. Zudem bietet das Projekt in China (Provinz Yunnan) durch eigene Aktivitäten vielfältige Einblicke in ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte des Landes. Die Gruppen wohnen in einem kleinen chinesischen Dorf in einer chinesischen Familie und arbeiten mit den Einheimischen an einem Wiederaufforstungsprojekt. Anschließend unterrichten sie mehrere Tage in einer Schule Englisch und besuchen Betriebe und Krankenhäuser. 
 
 
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Das Projekt in Kenia trägt dazu bei, den jungen Menschen der nächsten Generation die zunehmende Bedeutung Afrikas und gerade auch Kenias für den kulturellen Einfluss und die wirtschaftliche Bedeutung bewusst zu machen (vgl. z.B. Neue Zürcher Zeitung 30.09.2011: „Wer sagt, dass Elefanten nicht tanzen können?“). Die Schülergruppe lebt den größten Teil in einem Dorf und verrichtet zusammen mit den Bauern verschiedenartige Arbeiten. Vor allem hilft sie bei der Ernte der Macadamia-Nüsse und setzt junge Pflanzen. Und natürlich gehört das Fußballspiel mit den Kindern des Dorfes zum Abendprogramm.
 
 
Die Fahrten werden langfristig, u.a. durch ein Wochenend-Seminar mit einem interkulturellen Trainer vorbereitet. Noch von China und Kenia aus berichten die Schüler per Videokonferenz unmittelbar und sehr persönlich ihren gleichaltrigen Mitschülern in der Schule von ihren Erfahrungen und beantworten deren interessierte Fragen. Zudem erzählen sie in einem Blog und in der Lokalpresse von ihren Erlebnissen und wirken dadurch auch als Multiplikatoren: Nach ihrer Rückkehr schließen sich Referate und Vorträge in und außerhalb der Schule an.
 
 
Interkulturelles Seminar16 2        Interkulturelles Seminar16
 
 
Im Folgenden sind einige Aspekte, Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale unserer nachhaltigen globalen Projekte in China und Kenia genannt: 
 
  • Entwicklung der von selbständiger Handlungsfähigkeit: Umgang mit komplexen Situationen und Zuversicht, mit der eigenen Aktion etwas bewegen zu können  Empathisches, erfahrungsbezogenes Lernen globaler Zusammenhänge und regionaler Unterschiede 
  • Entwicklung von Kommunikationskompetenzen und Teamfähigkeit über Kulturgrenzen hinweg 
  • Zeitgemäße Berufsvorbereitung in einer sich unaufhaltsam globalisierenden Welt
  • Thematisierung implizierter Wertfragen: Erörterung und Erfahrung von eigenkulturellem und interkulturellem Zusammenleben, Bezugnahme auf Wertfragen, Aufweisung divergierender Sichtweisen, Rückführung auf Sinnkonzepte  
  • Den Sinn des Lebens einsichtig machen sowie Freude und Verantwortungsgefühl zu wecken, an der Gestaltung des eigenen Lebens und der Welt mitzuwirken  
  • Chancen und Möglichkeiten, Erkenntnisse und Erfahrungen hoher Wertigkeit zu gewinnen, die für die eigene Persönlichkeitsentwicklung von Bedeutung sind 
 
 
Wie intensiv die Begegnungen mit den Menschen sowie mit deren Lebens- und Arbeitsweise in China und Kenia auf alle Schülerinnen und Schüler gewirkt und sie in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit schon jetzt geprägt haben, zeigen exemplarisch zwei Stellungnahmen. 
 
Über seine Erfahrungen in China schreibt ein Schüler:
 
„Die Teilnahme am Projekt hat mir wieder einmal gezeigt, wie gut es uns hier geht. Besonders bewundere ich die Menschen in China, die trotz ihrer sehr harten Arbeit immer glücklich und gastfreundlich sind und sich nicht beschweren. Ich denke, dass ich in Zukunft immer daran zurückdenken werde, wie sparsam die Bauern mit einigen Rohstoffen umgegangen sind, wenn ich einmal wieder etwas einfach wegschmeiße oder verschwende. Nebenbei hat die Teilnahme auch dazu beigetragen, dass ich mit der Ungewissheit, was wir denn jetzt machen, besser umgehen kann, und es mir leichter fällt, alleine und mit anderen Entscheidungen zu treffen. Ich bin auf jeden Fall selbstständiger geworden und mache mir nicht mehr so viel Sorgen, wenn gerade etwas nicht klappt und auf den ersten Blick keine Lösung in Sicht ist. Ich würde gerne noch einmal nach Asien fahren, weil die Kultur und die positive Einstellung mich sehr fasziniert hat. Die Reise nach China hat mein Bild der Chinesen sehr verändert. Vor allem das Klischee, dass die Chinesen alle gleich aussehen, hat sich bei genauerem Hinschauen als völlig falsch erwiesen: Chinesen sind mindestens genauso unterschiedlich wie Europäer.“ 
 
  
Ein anderer schreibt über seine Erfahrungen in Kenia folgendes: 
 
„Für mich war die Zeit in Kenia prägend im Umgang mit anderen Menschen, egal wie sie aussehen, wo sie herkommen, woran sie glauben, egal wer sie sind, aber auch im Umgang mit unserer und fremden Kulturen, aber vor allem im Umgang mit meiner eigenen Identität. Ich habe mich sehr weiterentwickelt, habe meinen Horizont erweitert und Dinge gesehen, die für immer Teil meiner selbst bleiben werden, sehr schöne, gute Dinge, leider aber auch schlechte, verbesserungswürdige. Schon jetzt freue ich mich, einmal meinen Enkelkindern davon berichten zu können. Von den Dingen, die ich gelernt habe, ist für mich ganz wichtig der Umgang mit Ressourcen, der in Deutschland und Kenia vollkommen unterschiedlich ist. Einerseits recyceln wir hier sehr viel, was sehr gut ist und die Kenianer für manche Bereiche auch noch lernen sollten, dafür aber verschwenden wir so viel: Wasser, Lebensmittel, aber auch Freundschaften, da wir so viel weniger gastfreundlich sind als die Kenianer. Dass bei uns im Land sehr viele Menschen trotz unserer sehr guten wirtschaftlichen und politischen Lage über Kleinigkeiten klagen, ist mir vollkommen unverständlich geworden. Die Menschen in Kenia, egal ob im Slum, im Dorf oder im Reichenviertel, sind alle glücklich mit dem, was sie haben, und versuchen, stets das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ich möchte unbedingt bald einmal wieder nach Kenia und auch in andere afrikanische Länder kommen, um noch mehr zu sehen und zu verstehen.“ 
 
 
Jörgen Vogel 
 
 

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